E+Z interviewt Gesundheitslotsin Dédé Fall aus Podor

Beratungsgespräch in der Schulbücherei in Podor

Das Fachmagazin E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit hat Dédé Fall interviewt – eine Gesundheitslotsin aus Podor im Norden Senegals. Sie ist eine der sogenannten Badianu Gokh: Frauen aus der Nachbarschaft, die Mädchen und junge Mütter zu Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Kindergesundheit beraten. Es sind genau die Frauen, mit denen wir in Podor zusammenarbeiten.

Der Norden Senegals an der Grenze zu Mauretanien ist nur schwach entwickelt. Früh- und Zwangsverheiratung sowie weibliche Genitalverstümmelung (FGM) sind weit verbreitet und führen bei Mädchen und Frauen oft zu Problemen bei der Periode und bei Geburten. Dédé Fall ist selbst Mutter von fünf Kindern und hat sich ihr Wissen zu reproduktiver Gesundheit in zahlreichen Schulungen angeeignet.

Worum es in dem Interview geht

  • Beratung aus der Nachbarschaft: Wen internationale Nichtregierungsorganisationen einstellen, bleibt in der Region ein Fremder – und wird von der Bevölkerung nicht anerkannt. Die Badianu Gokh dagegen stammen aus denselben Stadtvierteln wie die Ratsuchenden – ausgewählt vom Oberhaupt des Viertels, vom Imam und von den Frauenorganisationen.
  • Sehr junge Mütter: Viele Mädchen werden mit 15 oder 16 Jahren ungewollt schwanger, verheimlichen es und binden sich den Bauch ab. Die Folge sind Babys mit nur zwei bis drei Kilo Geburtsgewicht.
  • Woran es Babys fehlt: Stillen ist die erste Wahl. Wo das nicht möglich ist, zeigen die Lotsinnen, wie sich aus Hirse, Reis oder Couscous ein geeigneter Brei zubereiten lässt. Ein großes Thema ist der „versteckte Hunger“: Die Kinder haben zu essen, doch es fehlen Eisen, Zink und Vitamin A.
  • Menstruation als Tabu: Mädchen versäumen wegen ihrer Periode den Unterricht. Es geht um gut schützende Binden, um funktionierende Schultoiletten – und um Aufklärung über Verhütung, damit frühe Schwangerschaften seltener werden.
  • Geburtsurkunden: Ohne Papiere können Kinder nicht zur Schule und nicht zu Prüfungen angemeldet werden. In Senegal werden deshalb jedes Jahr mehrere tausend Schülerinnen und Schüler nicht zur Abschlussprüfung zugelassen.

„Wir kennen die Leute im Stadtteil seit Jahren. Wir sind mit vielen verwandt und werden auch als Verwandte wahrgenommen. Das ist das Schöne am Ansatz der Badianu-Gokhs.“

Dédé Fall, Gesundheitslotsin in Podor

Was das mit unserer Arbeit zu tun hat

Am Ende des Interviews kommt unsere Geschäftsführerin Dr. Mariame Racine Sow zur Sprache – E+Z stellt sie als „die in Deutschland lebende senegalesische Aktivistin“ vor; der Verein selbst wird nicht genannt. Dédé Fall berichtet, dass die Beratung derzeit in der Bücherei der Grundschule Racine Cheikh Sow im Zentrum Podors stattfindet und dass Mariame Racine Sow den Bau eines eigenen Gesundheits- und Beratungszentrums maßgeblich vorantreibt. Einen Teil der Schulungen zu Menstruation und Schwangerschaft hat sie über Spenden der Schmitz-Stiftungen finanziert.

Gesundheitslotsinnen aus Podor arbeiten bei einer Schulung gemeinsam an einem Tisch
Schulung der Badianu Gokh in Podor. Foto: Forward for Women e.V.

Aus diesem Vorhaben ist unser Projekt Naforé geworden: Der Bau der Beratungsstelle in Podor läuft. Die Schulungen für die Badianu Gokh haben wir im Projekt MenstruTalk – Lew Ram fortgeführt.

Das vollständige Interview lesen Sie bei E+Z:
Engagement für gesunde Babys und Mütter →
E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit, 31. Dezember 2023. Interview: Sabine Balk.
Englische Fassung: Engagement for healthy babies and mothers →

Sie möchten die Arbeit der Gesundheitslotsinnen in Podor unterstützen? Ihre Spende kommt direkt vor Ort an. Weitere Berichte über unsere Arbeit finden Sie unter Veröffentlichungen – und für Fragen sind wir vertraulich erreichbar.

Fotos: Forward for Women e.V., Podor.

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